Pfedelbach-Schuppach, 22.10.2019, von Andreas Scholz, Hohenloher Zeitung

Großeinsatz bei Pfedelbach-Schuppach gegen den Signalkrebs

Mit vereinten Kräften rücken Naturschützer an der Ohrn zwischen Untersteinbach und Schuppach dem eingeschleppten Bioinvasor aus Nordamerika zu Leibe. Er bedeutet eine Gefahr für die heimischen Steinkrebse. Weiteres Vordringen soll verhindert werden.

Autofahrer, die am Donnerstag und Freitag im Ohrntal zwischen den Pfedelbacher Teilorten Untersteinbach und Schuppach unterwegs sind, wundern sich über die kleine Blechkolonne am Straßenrand. Die Präsenz von einem Dutzend Autos und Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks hat jedoch einen triftigen Grund.

Noch im Herbst rasch handeln

Ein Spaziergänger hat vor ein paar Wochen einen Signalkrebs an der Ohrn bei Schuppach entdeckt und gemeldet. "Uns war klar, dass wir noch im Herbst rasch handeln müssen, um den heimischen Steinkrebs vor der Signalkrebs-Invasion zu schützen. Jetzt im Herbst gehen nämlich Krebsmännchen auf Partnersuche und sind dadurch besonders aktiv", erklärt Benjamin Waldmann.

Oberes Ohrntal: eines der wichtigsten Steinkrebsreviere

Der Naturschützer ist ein waschechter Hohenloher und beim Regierungspräsidium Stuttgart im Referat für Naturschutz und Landschaftspflege unter anderem für das "Aktionsprogramm Steinkrebs" zuständig. "Das Obere Ohrntal zählt zu den wichtigsten Steinkrebsrevieren im süddeutschen Raum. Für den Steinkrebs haben wir im Land eine große Verantwortung und deshalb müssen wir ein weiteres Vordringen des Signalkrebses verhindern, weil er die Krebspest überträgt", betont er. Infizieren sich heimische Flusskrebse mit der Krebspest, würde die ganze Population in kurzer Zeit vollständig aussterben.

Benjamin Waldmann und sein Helferteam vom Regierungspräsidium Stuttgart werden vor Ort in Schuppach auch von Umweltexperten aus dem Umwelt- und Baurechtsamt im Landratsamt des Hohenlohekreises unterstützt: Jan Höfler und Hansjörg Weidmann helfen in den zwei Tagen tatkräftig mit, um die Signalkrebse ausfindig zu machen. "Der Signalkrebs kann über Land wandern. Wir vermuten, dass der Signalkrebs in den zwei privaten Fischteichen oberhalb der Ohrn eingeschleppt wurde und sich da rasant vermehrt hat", erklärt Jan Höfler.

Fischteiche für Suche abgepumpt

"Das Technische Hilfswerk hat die beiden Fischteiche abgepumpt, was mit dem Teichbesitzer abgesprochen ist. Wir drehen jetzt in den Teichen jeden Stein um und haben außerdem noch einen Krötenzaun um die Teiche gespannt, damit uns kein Signalkrebs entwischt", ergänzt Hansjörg Weidmann. In Gummistiefeln und Wathose steigt Jan Höfler bei der zweitägigen Suchaktion mehrmals die kleinen Holzstufen zu den Fischteichen hinab und nimmt dabei vor allem die Uferböschung ins Visier. "Die Signalkrebse verstecken sich gerne in kleinen Höhlen", weiß er.

Neben Krebsen sammeln die Naturschützer in den Fischteichen ebenfalls die Teichmuscheln ein. Weiter bachaufwärts spürt ein weiteres Team auch heimische Steinkrebse auf. "Die Fischteiche bleiben bis auf Weiteres trocken. Einige der Signalkrebse lassen wir jetzt im Labor der Universität in Landau untersuchen und hoffen, dass sie doch nicht mit der Krebspest gegen die sie selbst immun sind, infiziert sind", bekräftigt Benjamin Waldmann.

Naturschützer sind beunruhigt

Dass der Signalkrebs inzwischen den oberen Verlauf der Ohrn erreicht hat, beunruhigt die Naturschützer. "Eigentlich dachten wir, dass der Signalkrebs an der Ohrn nur bis in die Cappelauen bei Öhringen vorgedrungen ist", bedauert Jan Höfler. Aufgeben ist aber nicht die Sache der Naturschützer. "Wir können zwar nicht groß verhindern, dass der Signalkrebs bachabwärts wandert, aber wir können schon was dagegen unternehmen, dass er noch weiter bachaufwärts marschiert", betont Waldmann.

Als effektive Maßnahme gegen ein weiteres Vordringen des Signalkrebses hätte sich beispielsweise neben dem Einsammeln von Krebsen ebenfalls der schnelle Bau von Krebssperren in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Pfedelbach an der Ohrn entpuppt. "Die Blechkonstruktion einer Krebssperre ist so konzipiert, dass der Signalkrebs unweigerlich abrutscht und er dadurch nicht weiter bachaufwärts wandern kann. Wir werden in der nächsten Zeit weitere Krebssperren im Ohrntal anlegen müssen, um die Steinkrebse bestmöglich vor dem invasiven Signalkrebs zu schützen", verspricht Benjamin Waldmann.

Heimische werden von eingeschleppten Krebsarten bedroht

Früher waren die heimischen Steinkrebse in fast jedem Bach in Hohenlohe zu finden - sie sind quasi hohenlohische Ureinwohner. Inzwischen gibt es nur noch Restpopulationen des Steinkrebses in wenigen Bächen in der Region. Neben Steinkrebs kommen in Baden-Württemberg auch noch die heimischen Arten Edelkrebs und Dohlenkrebs vor. Heimische Flusskrebse gehören zu den bedrohtesten Tierarten in Europa. Ihre Bestände sind, trotz europarechtlichem und nationalem Schutz, massiv rückläufig.

Den heimischen Flusskrebsen stehen inzwischen im Land Baden-Württemberg fünf invasive Flusskrebsarten aus Nordamerika gegenüber, die alle durch den Menschen eingeschleppt wurden. "In der Nähe ist an der Sulm der Rote Amerikanische Sumpfkrebs heimisch geworden, der am Breitenauer See schon für Schlagzeilen gesorgt hat", ergänzt der Naturschützer. In der Rheinaue rund um Karlsruhe breitet sich der ebenfalls aus Nordamerika stammende Kalikokrebs massiv aus und zerstört ganze Ökosysteme in Stillgewässern.

Text: Andreas Scholz, Hohenloher Zeitung "Großeinsatz bei Pfedelbach-Schuppach gegen den Signalkrebs"


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